Leitfaden · 12. August 2026 · 10 Min. Lesezeit
Exposé für die Bachelorarbeit: Aufbau, Beispiel und Vorlage
Ein Exposé ist kein Aufsatz über dein Thema, sondern ein Argument dafür, dass die Arbeit machbar ist. Wer das begriffen hat, schreibt es an einem Nachmittag – und bekommt schneller eine Zusage.
Was in jedes Exposé gehört
Problemaufriss → Forschungsfrage → Forschungsstand → Methode → vorläufige Gliederung → Zeitplan und Literaturliste. Zwei bis fünf Seiten, Präsens, keine Konjunktive. Die Betreuung liest vor allem zwei Dinge: Ist die Frage beantwortbar, und passt die Methode dazu?
Die sechs Bausteine
Thema und Problemaufriss
Ein halber bis ganzer Absatz. Warum ist das überhaupt eine Frage?
Beginne nicht mit „In der heutigen Zeit“, sondern mit einer konkreten Beobachtung oder einem Widerspruch in der Forschung. Zwei bis drei Sätze reichen, um zu zeigen, dass hier eine Lücke existiert – belegt mit zwei aktuellen Quellen.
- Konkrete Beobachtung statt allgemeiner Einleitung
- Forschungslücke in einem Satz benennen
- Zwei Belege aus den letzten fünf Jahren
Forschungsfrage und Zielsetzung
Das Herzstück. Eine Hauptfrage, maximal drei Teilfragen.
Die Frage muss in der Bearbeitungszeit beantwortbar sein und darf nicht mit Ja oder Nein enden. Formuliere danach in einem Satz, was am Ende der Arbeit vorliegen soll – ein Vergleich, ein Modell, eine empirische Aussage.
- Eine Hauptfrage, klar abgegrenzt
- Ziel der Arbeit in einem Satz
- Was die Arbeit ausdrücklich nicht leistet
Forschungsstand
Eine bis anderthalb Seiten. Zeigt, dass du gelesen hast.
Keine Aufzählung von Titeln, sondern zwei bis drei Positionen, die sich unterscheiden. Ordne sie einander zu: Wer sagt was, wo widersprechen sie sich, und an welcher Stelle setzt deine Frage an?
- Zwei bis drei Forschungspositionen gegenüberstellen
- Widerspruch oder Lücke sichtbar machen
- Eigene Arbeit daran andocken
Methodisches Vorgehen
Hier wird am häufigsten nachgefragt – sei präzise.
Nenne das Verfahren beim Namen: Literaturanalyse, qualitative Interviews (wie viele, mit wem), Inhaltsanalyse nach Mayring, Fragebogen mit welcher Stichprobe. Begründe kurz, warum diese Methode zur Frage passt.
- Verfahren konkret benennen, nicht „empirisch“
- Datenquelle und Umfang angeben
- Auswertungsverfahren mit Referenz nennen
Vorläufige Gliederung
Zwei Ebenen genügen im Exposé.
Die Gliederung darf sich noch ändern – sie zeigt, dass du die Arbeit als Ganzes denkst. Achte darauf, dass jedes Kapitel erkennbar auf die Forschungsfrage einzahlt und die Anteile realistisch sind.
- Maximal zwei Gliederungsebenen
- Grobe Seitenanteile dahinterschreiben
- Kein Kapitel ohne Bezug zur Frage
Zeitplan und Literaturliste
Der Teil, der Vertrauen schafft.
Ein kleiner Meilensteinplan über die Bearbeitungszeit plus zehn bis fünfzehn zentrale Titel in korrekter Zitierweise. Das signalisiert der Betreuung, dass die Basis steht und du die Formalia beherrschst.
- Vier bis sechs Meilensteine mit Datum
- 10–15 Titel im späteren Zitierstil
- Puffer vor der Abgabe einplanen
Beispiel: Forschungsfrage vorher und nachher
„Wie beeinflusst Social Media das Kaufverhalten von jungen Menschen?“
Zu breit, keine Eingrenzung von Plattform, Gruppe, Zeitraum oder Produktkategorie.
„Welche Rolle spielen Influencer-Empfehlungen auf Instagram für die Kaufentscheidung von Studierenden bei Naturkosmetik?“
Plattform, Zielgruppe und Produktkategorie sind eingegrenzt – in zwölf Wochen machbar.
Vorlage zum Kopieren
Diese Struktur funktioniert an den meisten Instituten. Ergänze sie um die Vorgaben aus deinem Merkblatt – im Zweifel gilt immer das Merkblatt.
1. Thema und Problemstellung 2. Forschungsfrage und Zielsetzung 2.1 Hauptfrage 2.2 Teilfragen 3. Forschungsstand 4. Methodisches Vorgehen 4.1 Datenerhebung 4.2 Auswertung 5. Vorläufige Gliederung der Arbeit 6. Zeitplan 7. Vorläufiges Literaturverzeichnis
Fünf Fehler, die zur Rückfrage führen
- Die Forschungsfrage ist eine Themenangabe („Social Media und Kaufverhalten“) statt einer Frage.
- Methodenteil bleibt vage – „ich werde Literatur auswerten“ reicht nicht als Verfahren.
- Zu breit angelegt: Eine Frage, die drei Disziplinen braucht, passt nicht in 40 Seiten.
- Literaturliste besteht aus Lehrbüchern statt aus Fachaufsätzen.
- Kein Zeitplan – dann wirkt das Exposé wie eine Idee, nicht wie ein Vorhaben.
Häufige Fragen
Wie lang muss ein Exposé für die Bachelorarbeit sein?
Üblich sind zwei bis fünf Seiten. Viele Lehrstühle geben zwei bis drei Seiten plus Literaturliste vor – prüfe das Merkblatt deines Instituts, es hat immer Vorrang vor allgemeinen Empfehlungen.
Ist ein Exposé Pflicht?
Formal meist nicht, praktisch fast immer. Die meisten Betreuenden erwarten es vor der Zusage, weil sie daran erkennen, ob das Thema tragfähig ist. Schreib es auch dann, wenn es niemand verlangt – es spart dir später Wochen.
In welcher Zeitform schreibe ich das Exposé?
Präsens für den Forschungsstand und die Fragestellung, Futur oder Präsens für das eigene Vorhaben („Die Arbeit untersucht …“). Vermeide Konjunktive wie „könnte man untersuchen“ – sie klingen unentschlossen.
Darf ich das Exposé später ändern?
Ja. Ein Exposé ist eine Planungsgrundlage, kein Vertrag. Wenn sich Methode oder Schwerpunkt verschieben, sprich es einmal kurz mit der Betreuung ab und arbeite weiter.
Weiterlesen: Forschungsfrage formulieren und Zeitplan für die Bachelorarbeit.